Pünktchen und Anton
Der 2008 in den Ruhestand getretene Toni Wachter, Monsieur Eurovision Song Contest beim Schweizer Fernsehen, hat unserem Land ein grosses Vermächtnis hinterlassen. Keiner seiner europäischen Kollegen dürfte es wohl geschafft haben, seinem Land mit der Auswahl ungeeigneter Beiträge derart wenig Pünktchen zu bescheren, wie unser Anton. Und an dieser schönen Tradition wird auch nach seinem Abgang festgehalten: Suisse – deux points! Chapeau kann man da einmal mehr nur sagen.
Aber wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Unterhaltungs-Moritz wird auch in dieser Frage schon bald die Federführung übernehmen. Während sein neuer Verwalter unseres Medienmonopolisten den Service Public zügig in einen Service Moritz umbauen dürfte, übernimmt nunmehr unser Unterhaltungsminister auch die Verantwortung für die Interpretenauswahl für den Eurovision Song Contest. Das ist Chefsache, das sah schon der Toni so.
Unbestätigten Angaben zufolge soll die Wahl für 2011 bereits getroffen worden sein. Zum SRG-Auftrag gehört bekanntlich die Abbildung der schweizerischen Wirklichkeit “in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen – von der Politik, Kultur und Wirtschaft über die Gesellschaft, den Sport bis hin zur Unterhaltung.”
Mit seiner kürzlichen Tirade gegen die Präsenz der SVP in politischen Diskussionssendungen des Schweizer Fernsehens (wie kann man aber auch eine politische Partei in solche Sendegefässe einladen??) hat er ein neues Verständnis des SRG-Auftrags kreiert. Die SVP figuriert neu nicht mehr unter der Rubrik Politik, sondern unter Unterhaltung. Um diesem Richtungswechsel Nachdruck zu verleihen, wird die Schweiz am Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland durch Toni Brunner vertreten sein. Tony, wie er sich ESC-konform nennen wird, tritt mit einer volkstümlich interpretierten Version des Klassikers “The House of the Rising Sun” auf.
Die Prophezeiung von Unterhaltungs-Sepp: kein Pünktchen für Anton.



