Glückwunsch, Alte!
Heute ist ein ganz besonderer Tag, heute wird gefeiert. Heute heisst’s nicht auf einen Espresso, nicht auf einen Whisky, heute heisst’s auf einen Schampus: das Flaggschiff der Schweizer Medienlandschaft, die Schweizer Illustrierte, feiert ihren 100. Geburtstag.

Angefangen hat es vor 100 Jahren als zeitgeschichtliche Publikation; historische und politische Themen dominierten angeblich. Irgendwo haben wir mal gelesen, dass die erste Ausgabe über den damaligen Krieg in Libyen berichtete. Aber das wissen wir nicht, das ist zu lange her. Aber wir können uns noch gut erinnern an die Zeit, als die SI ein Wochenmagazin war mit Reportagen querbeet. Es entstand immer der Eindruck, die SI wolle der «Stern» der Schweiz sein. Wollte sie vermutlich auch.
Doch dann ging’s bergab. Ende der 80er Jahre drohte das aus. Man musste sich an einem neuen Vorbild orientieren. Unter Peter Rothenbühler wurde aus der SI nach dem Vorbild von «Paris Match» ein reines People-Magazin. Der Grundstein für die Cervelatsierung Helvetiens war gelegt, denn wenn man kaum Promis hat, über die man berichten kann, muss man sich welche basteln. Da sind Misswahlen und Casting Shows geradezu ein Geschenk des Himmels. Und wenn mal kein D-Promi zur Hand ist, tut’s zur Not auch eine Renata Angehrn oder der Hauscoiffeur.
Der Erfolg gab den Machern recht, die SI feierte ungeahnte Erfolge und wurde zur «cash cow» des Hauses Ringier. Das Konzept passte zwar vielen nicht in den Kram, allen voran unserem Lieblings-«Intellektuellen» Frank A. Meyer, aber so lange der Zaster floss, gab’s nichts zu deuteln.
In der jüngsten Geschichte des Blatts ist wieder Katerstimmung eingekehrt. Der Zenit scheint überschritten zu sein. Aber die SI wäre nicht die SI, würde sie sich nicht wieder ein grosses Vorbild nehmen und sich neu erfinden. Dieses Mal kommt die Ehre der Vorbildfunktion uns zu – die SI hat den speziellen Reiz der Satire entdeckt. Das hat uns derart gefreut, dass wir ihr eigens eine Kategorie gewidmet haben: SI – das endgültige Satiremagazin.
Wohlan, herzlichen Glückwunsch! Und das von Herzen, auch wenn ihr uns nicht an die grosse Sause eingeladen habt.








