Am 4. November im Jahre des Herrn 2010 fand bekanntlich einmal mehr das jüngste Zürcher Cervelat Gericht (also nicht Wurstsalat garniert) statt. Endlich wurde abgerechnet darüber, wer in der Zwingli Stadt wichtig ist und wer nicht (mehr). Im Vergleich zum Vorjahr waren es ja v.a. die ‘Nicht-Mehrs’, welche für Aufsehen gesorgt hatten. Nach welchen Kriterien Mann/Frau es in diese inflationär überteuerte Hochglanzpostille der Eitelkeiten schafft, wird wohl immer eines der am besten gehüteten Geheimnisse dieses Jahrtausends bleiben.
Wie auch immer, für einmal bewies die Jury ihr zufällig glückliches Händchen, indem sie zumindest eine wirklich grosse Persönlichkeit in den Reigen der Homines Magni aufgenommen hatte – mitten in der Sauregurkenzeit wurde meine Mama Amber Steele darüber benachrichtigt, dass sie nunmehr zu den Auserwählten gehöre. Heureka! Uriellas Gebete wurden erhört!
Und während Amber zur Feier des Tages Proseccöli in meinen Schoppen füllte, brauten sich am Himmelszelt der Wichtigkeiten dunkle Wolken zusammen. Das eingereichte äusserst sinnvolle Bild von Amber war angeblich nicht scharf genug. Als wenn es auf diesem Planeten – in diesem Universum! – etwas Schärferes als Amber Steele geben würde!
Obwohl das ursprünglich eingereichte Bild durchaus den technischen Spezifikationen entsprochen hatte, reichte Amber sogleich ein weiteres Bild nach – immerhin von einem anerkannten professionellen Fotografen geschossen und an Schärfe (300dpi) kaum zu überbieten.
Nichtsdestotrotz (mein Lieblingswort, vergesst Arschfax, Speckbarbie et al…), die Jury oder der Herausgeber oder wer auch immer machten einen Rückzieher. Eingebungen sind zuweilen nicht wirklich nachhaltig. Oder eben doch. Ungewollt. Wer es nämlich schafft, noch vor der Publikation aus dem Who (the fuck) is Who in Zürich zu fliegen, der oder die hat es wirklich geschafft. Roger Federer brauchte dazu immerhin drei Ausgaben. Dafür ist Shawne Fielding dabei.
Fast alle Stars haben einen Hang zu mimosenhaftem Verhalten und sind Meister im Klagen ohne zu leiden. Schon Grössen wie Charlie Chaplin, Thomas Mann oder Andy Warhol galten als Hypochonder.
Bisher taten wir bodenständige Schweizer dieses Getue als typische “Ami-Neurose” ab und wunderten uns nicht, dass auf der anderen Seite des Teiches fast jeder seinen eigenen Psychiater hat. Nun beginnen aber auch hierzulande erste Vertreter der Promi-Gilde ähnliche Verhaltenszüge anzunehmen und zelebrieren medial ihr “grosses” Leiden.
Natürlich empfinden wir mit Tanja Frieden und sind genau so enttäuscht über das abrupte Ende ihrer erfolgreichen Karriere. Aber ihren temporären “Alltag im Rollstuhl” nur annähernd mit demjenigen echter Rollstuhlgänger zu vergleichen, erscheint uns doch etwas übertrieben und muss in den Ohren von Vize-Miss Handicap Cindy Gadola wie ein Hohn klingen.
Natürlich tut uns dies leid für ihn. Niemandem wünscht man, krank zu sein.
Aber haben wir Normalos diesen Winter nicht auch den einen oder anderen Gips verpasst bekommen oder eine schwerere Grippe mit Schüttelfrost, Fieber und Gelenkschmerzen eingefangen? Im Gegensatz zu den Schönen und Reichen können wir aber meist nicht einfach nur da sitzen und zuschauen, wie das Leben “in Zeitlupe” an uns vorbeigeht, sondern müssen wieder rasch auf die Beine und ran an die Säcke – sei es zu Hause oder an der Arbeit.
Wir wollen uns aber nicht beklagen und wünschen drum beiden “Narzisslis” von Herzen eine rasche und vollständige Genesung!
Roger Federer ist 2007 eine der in der Schweiz grösstmöglichen Ehren zuteil geworden: Dem besten Schweizer Sportler aller Zeiten wurde damals von der Schweizerischen Post als erster lebender Person eine Sondermarke gewidmet.
Nun fordert eine Facebook-Gruppe, dass uns der King endlich auch von der Hunderter-Note anstrahlen kann.
Nun wissen wir aber aus einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazins «Eco», dass der SNB-Präsident in den kommenden Monaten in Sachen Geldpolitik sehr vorsichtig vorgehen will, weil die Unsicherheit auch in den nächsten Quartalen gross bleiben werde.
Unter “Unsicherheit” versteht er wohl nicht nur die Wirtschaftslage, sondern auch einen neuen heiklen gesellschaftlichen Trend, der auch in der Schweiz Fuss fassen könnte: der tiefe Fall von hochgejubelten Helden wie Tiger Woods oder John Terry.
Gewohnt, Anzeichen frühzeitig zu erkennen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, wird es den SNB-Analysten nicht entgangen sein, dass im Falle von King Roger einige Faktoren gegen eine Verewigung zu Lebzeiten sprechen – selbst wenn sie es wollten:
1. Wie Tiger Woods (einst) ist Roger Federer der weltbeste Spieler in der eigenen Disziplin.
2. Wie Tiger Woods (einst) wird Roger Feder als lebende Legende geehrt.
3. Wie John Terry ist Federer Vater von Zwillingen.
4. Wie John Terry, der zum englischen “Vater des Jahres 2009″ gewählt wurde, wird Roger Federer als “Daddy Cool” gehandelt.
5. Mit Tiger Woods (und einem zwar anderen, aber nicht minder umstrittenen “Thierry”) hat Roger Federer schon mal für “das Beste im Mann” geworben!
Bild: Gillette
Die SNB wird sich hüten, solche Risikofaktoren nicht ernst zu nehmen.
Er ist und bleibt der Grösste, unser Roger Federer. Einmal mehr hat er uns Tennis von einem anderen Stern gezeigt. Wir verneigen uns. Und bedanken uns. Dafür, dass Ausnahmepersönlichkeiten wie Roger wie Oasen in unserer ansonsten wirklich tristen “Promi”-Wüste sind.