Achtung Baustelle
Die Schweiz ist ein Exportland, habt Ihr das gewusst? Wir exportieren getunte Glamourmodels (Fernandes), erfolglose Sänger/innen (Siekmann, Aegerter, Esteriore), ex-Missen, pardon, Schauspielerinnen (Vinzens, Winiger, Gillieron), und Journalisten (FAM). Andere befanden sich auf der Durchreise, wurden aber vom Blick adoptiert (Martini). Alle der Erwähnten, ausser FAM, der sich im permanenten Sinkflug befindet, haben etwas gemeinsam: Sie wollen ‘durchstarten’, also den Anflug abbrechen, weil sie die Landebahn nicht sehen konnten oder sonstwas dazwischen kam (wie etwa Talentfreiheit).
Für eine dieser Schauspiel- und Gesangsexporte, die dünnstimmige Myriam Aegerter, auch bekannt als Mia, schliesst sich der Kreis.
Sie hat das ganze Spektrum des Ich-Will-Berühmt-Seins durchgemacht, von Rudi Carrell über European Song Contest Bewerbung, Soap-Schauspielerin (Schlechte Zeiten, noch schlechtere Zeiten), grottenschlechter Schweizer Film (Achtung, Fertig, Charlie, eines der debilsten Produkte der neueren Vergangenheit), und dann das volle Blickprogramm: Liebesglück und Liebes-Aus. Jetzt kommt der Durchstart. Sie stylt sich neu als Singer/Songwriterin (kein Klischee wird ausgelassen, wir haben Gitarre, Texte bei denen niemand draus kommt, traurigen Fernblick, Barhocker und Liebes-Aus, mir kommen bald die Tränen), kommt zurück aus Berlin in die Schweiz (gottseidank nur zu Besuch) und nimmt mit Polo ‘Dauerhustenanfall’ Hofer eine Single auf.
Jetzt kommt das Album, die Schweizer Tournee, und rechtzeitig dazu ein Interview im Blick. Unsere geliebte Cinzia Venafro, ex-Migrosmitarbeiterin, Frau für einfache Fragen und halbe Sachen, hat es geschrieben.
Müschterli gefällig?
Ja, das fragen wir uns auch. Was meint Mia damit? Fast völlig sinnentleert, dieser Songtext. Idee – Schnee, erstklassiger Tiefsinn, oder ists etwa Ironie? Geht jetzt aber so richtig unter die Haut, geht das.
What, 3 Jahre für den Schneetext? Really? Das ist jetzt aber der Witz des Jahres, oder?
Vermutlich hat Mia die Texte nur für sich geschrieben? Zudem wissen wir ja schon lange, dass Ironie auf einer CD ein Winner ist. Kommt so richtig gut rüber, vor allem weil alle berndeutsch verstehen.

Hirn halbfertig? Komplex? Eher supersimpel! Im Kopf rumbaggern? Das gibt Tinnitus, Mia. “Der Song ist ein Augenzwinkern auf meine Defizite”, die vor allem sprachlicher, aber auch gesanglicher Natur sind. Nur zwinkert bei mir spätestens jetzt der Magen. Der Durchfall, rein psychosomatisch, ihr wisst ja. Lieber Gott, bitte, bitte organisiere eine grosse Dauerbaustellenabschrankung mit permanenter Umleitung. Please!




