In der SonntagsZeitung gibt es jeweils ein Sonntagsgespräch, i.d.R. mit interessanten Leuten, die auch etwas zu sagen haben. Passend zum bedeutungslosesten Anlass des Jahres, der Miss Schweiz Wahl, durfte sich in der letzten Ausgabe die Organisatorin und Ex-Miss Karina Berger zu Wort melden.

Das Interview ist insofern sehr aufschlussreich, als dass es sämtliche unsere Vorurteile bestätigt. Ihre Branche werde oft belächelt, meint die fragende Journalistin. Darauf erwidert Frau Berger, erstaunlicherweise seien genau diese Leute, die Promis und Schönheitswettbewerbe belächelten, diejenigen, die am besten informiert seien. Womit der Einwand ungewollt bestätigt worden ist. Gerade wenn man gut informiert ist, kann man über diese Schmierenkomödie doch nur lachen. Als Selbstschutz quasi, denn eigentlich ist es zum Weinen. Es gibt ja wohl kaum jemanden, der dieses Theater ernst nimmt. Ausser natürlich die Protagonistinnen selbst.
Dann erfahren wir, dass die Schlagzeilen um Kerstin C(r)ooks Studium diese verletzt hätten, das müsse man auch mal sagen. Wie wäre es denn, wenn man einmal sagen würde, dass die offenbar von krankhaftem Ehrgeiz getriebene Ex-Miss schlicht und einfach gelogen hat, dass sie nicht glaub- und schon gar nicht vertrauenswürdig sei?
Weshalb ein Schönheitswettbewerb heute in der Schweiz ein so grosses Thema sei, wollte die SonntagsZeitung weiter wissen. «Wir haben nicht sehr viele Leute im Unterhaltungssegment, die längerfristig spannend bleiben. Wir bieten jedes Jahr ein neues Gesicht, eine neue Persönlichkeit und eine neue Geschichte.» Haben wir richtig verstanden, Persönlichkeit? Gemäss Duden ist eine Persönlichkeit ein «Mensch mit ausgeprägter individueller Eigenart» und/oder «jemand, der eine führende Rolle im gesellschaftlichen Leben spielt». Wir sind jetzt etwas verwirrt. Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen.
Und nun kommen wir zur zentralen Frage: welche Schlüsselqualifikationen muss eine Miss mitbringen? «Sie muss das Talent haben, Menschen in kürzester Zeit zu begeistern. Ihr attraktives Aussehen ist wichtig, sie muss eine spannende Persönlichkeit und herzlich und kommunikativ sein.» Das besagte Talent haben Missen durchaus. Nur nicht in dem Sinn, wie es hier gemeint ist. Und wie gesagt, was genau an den Mädels spannend sein soll – ausser natürlich, dass sie uns mit ihren Peinlichkeiten täglich aufs neue amüsieren – bleibt uns leider verborgen.
Als Rechtfertigung für die missliche Wissenswüste wird uns übrigens mitgeteilt, man habe ja nur Quizfragen gezeigt, welche eine Kandidatin nicht beantworten konnte. Wenn die «spannenden Persönlichkeiten» die einfachsten Fragen richtig beantworten könnten, würde man uns solche Häppchen auch nicht zum Frass vorwerfen können.
Zum Schluss ein Zitat, welches wir gerne als Steilvorlage aufnehmen: «Ausserdem halte ich das Militär, in das wir unglaublich viel Steuergelder reinstecken, für völlig unnötig» meint Frau Berger zur Politik. Gerne lassen wir uns künftig wie folgt zitieren: «Ausserdem halten wir Miss-Wahlen, in die wir unglaublich viel Konzessionsgelder reinstecken, für völlig unnötig.»