Ingrid fällt ins Rettungsnetz
Oder: La Suisse zero points
Der Doktor diversifiziert. Er wird sozusagen vom Allgemeinpraktiker zum Spezialisten ESC (Eurovision Song Contest). Blick-Bashing war gestern, jetzt wenden wir uns dem Showbiz zu, besser der Welt des Schlagers. Wir begeben uns in die sumpfigen, seichten, und trüben Untiefen des Europops.
Was bisher geschah: Sinplus, die Tessiner Zweimann-Band aus dem Ort, der den meisten Rekruten und Soldaten in der Schweiz ein Graus ist (Losone), vertritt die Schweiz am ESC in Baku, Aserbeidjan (22. Mai, Halbfinal). Lisa Panigada, die Ex-Miss-Schweiz Dritte 2008 und Kosmetikerin, hat fleissig geübt und darf jetzt richtig Bass spielen (klatschheftli.ch berichtete). Sie ist aber, wie auch der anonyme Schlagzeuger, nicht Mitglied der Band.
Der eine der Brüder hat den weiten Weg nach Baku (immerhin 3’356 km Luftlinie) zu Fuss machen müssen, weil er sich nüchtern gefühlt hat beim Autofahren (Verantwortung für seine Taten zu übernehmen gehört halt nicht zu den Core-Skills im Showbiz, gäll Annina!). Seine Hilfsbereitschaft wurde ihm zum Verhängnis.
Unser Kommentar: What’s wrong with a taxi?
Ein paar Schweizer werden jetzt, wenige Tage vor dem Event, nervös. Eine dieser Personen ist Ingrid Deltenre, ex-SF DRS CEO, die mit einem goldenen Fallschirm vom Dach des Fernsehstudios geschubst wurde und als Generaldirektorin der European Broadcasting Union gelandet ist. So schön! Glück ghaa, gäll Ingrid!
Auch der Blick zittert. Die Frage stellt sich: kann man fremd-blamieren, oder betrifft eine Blamage vor allem die Band?
Der Duden hilft wie immer: Blamage bezeichnet eine “peinliche Beschämung” oder steht für “Blossstellung, Reinfall, Peinlichkeit”. Unser Kommentar: Für einmal gehen wir mit dem Blick einig: Blamiert uns bloss nicht!
Aber was ist passiert seit das Duo plus die Ex-Miss-Schweiz-Dritte und der Anonyme in Baku angekommen sind?
Die Schweiz hat frühzeitig gepunktet, weiss der Blick. Ein Fall von vorzeitiger Ejakulation, sozusagen? Oder krampfhafter Aufbau eines Rocker-Images?
Ivan des Schrecklichen Bettabenteuer ist vermutlich der bestpublizierte One-night-stand und reicht beim Blick für zwei Tage Futter voller Innuendo und chauvinistischer Scheisse. Seht her, wir zeigen es diesen Bubis in der Fremde, wir sind Eroberer! Mit dieser billigen Macho-Kriegsberichterstattung hat der Blick genau das erreicht, was er nicht wollte: Blamage! Band und Zeitung: Epic Failure.
Die Frage ist jetzt nur noch: Überschminkt Ivan die Knutschflecken (die aussehen wie Vampirbisse) für den Auftritt, oder müssen wir einen nicht sehr dezenten Kamera-Zoom auf seinen Hals erwarten?
Wir werden es sehen. Aber ich habe keine grosse Hoffnung. Die Schweiz bleibt auf ihren vier Punkten sitzen. Jedenfalls hat der Rocker schön stillgehalten fürs Föteli. Die ‚Tribals‘ kann man übrigens auch sehr schön sehen. Sieht aus wie Mottenfrass, bis aufs Maori Koru über dem Ohr. Wetten, der Frisör hat keine Ahnung was er da macht?
Zum Spass wollen uns jedoch noch kurz mit der Konkurrenz unserer Schweizer Kampfsänger auseinandersetzen, damit wir wissen, womit sie es zu tun haben. Unsere Rangliste sieht folgendermassen aus:
Zuoberst, mit grossem Abstand, steht der Herr aus Montenegro. Er verkörpert wie kein Anderer die Symbiose zwischen Kampf und Kunst, zwischen Stallone und Mozart. Der Titel seines Liedes ist unübersetzbar, scheint aber etwas mit Geld und Psychologie zu tun zu haben. Auch optisch bringt er den Kampf sehr schön zum Ausdruck. Er kämpft mit Mode, Haarschnitt und Körperpflege.
Klar auf dem zweiten Platz das Duo aus Österreich.
Die zwei Spassbuben scheinen den selben Frisör zu haben wie unsere Schweizer. Echt Sorgen machen wir uns jedoch beim Namen des Duos: Bedeutet der, dass sie an permanentem Durchfall leiden? Oder ist ihr Track ganz einfach scheisse? Ich mag gar nicht dran denken. Sie scheinen auf alle Fälle auch mit dem Songtitel in der Analphase stecken geblieben zu sein.
Nun wird’s nur noch schräg: Die Rumänen singen spanisch oder auch englisch, übersetzen laesst sich’s nicht. Das Girl sieht weder spanisch noch englisch noch rumänisch aus. Haben wir es hier mit Gesangs-Stocki zu tun?
Zum Schluss der Beitrag mit dem originellsten Titel. Facebook ist in San Marino angekommen, und macht enorm Freude, sprachlos, sozusagen. And she burst into song…
Freuen wir uns auf die Übertragung aus dem politisch stabilen Baku. Mit vorsichtigem Gruss vom Doktor…


