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Frank A. Meyer

Krippenspiel des Grauens


Der zweite Engel – wir haben willkürlich Jehudiel gewählt, ohne zu wissen, ob der an der Sause wirklich dabei war – verkörpert ein anderes Schwergewicht der Selbstüberschätzung: unser aller Frank A. Meyer.

Jehudiel steht für «Ruhm und Lobpreis Gottes», wobei mit Gott auch hier nicht Sepp Blatter gemeint ist, sondern vermutlich der Verleger und Unterstützer Michael Ringier. Oder könnte Gott gar für Frank A. Meyer stehen? Wir wissen es nicht.


Mittwoch, 21. Dezember 2011, 07:00
Kategorie: Adventskalender
Von

Ernsthafte Konkurrenz

Die Zeitschrift «Schweizer Monat» will sich offenbar wieder mal einem breiteren Publikum in Erinnerung rufen. Anders können wir uns die Titelgeschichte der Dezember Ausgabe einfach nicht erklären: ein langes Interview mit Xenia Tchoumitcheva.

Unsere Überväter und -mütter der masslosen Selbstüberschätzung – Roger Schawinski, Frank A. Meyer und Shawne Fielding – müssen sich ganz warm anziehen, denn Xenia räumt das Feld von hinten in einem Tempo auf, dass den älteren Herren und der besoffenen Dame bald schwindlig werden dürfte.

Was sie da von sich gibt, übertrifft alles Bisherige, alles! Wir wollen hier nur eine kleine Auswahl an absoluten Leckerbissen dartun. Wer das ganze Interview lesen möchte (und wir empfehlen dies wärmstens), kann das hier tun.

Allein schon der Auftakt ist ein Paukenschlag der Sonderklasse. Auf die Einstiegsfrage, weshalb sie jeden Monat eine Kolumne für den «Schweizer Monat» schreibe, antwortet das junge Ding:
«Ganz einfach: in Ihrem Magazin treffe ich auf ein breites Zielpublikum, das sich von meiner gewöhnlichen Fanbasis unterscheidet. Es gibt da Professoren, Politiker, Kreative, die sich für das interessieren, was ich denke. Unternehmer und Leute aus der Finanzindustrie, die meinen Track Record kennen.»
Also wir kennen schon ein paar Professoren, auch Politiker und Kreative erst recht. Es ist uns aber noch gar nie aufgefallen, dass die sich für irgend etwas im Zusammenhang mit Xenia interessieren würden. Die meisten wissen nicht einmal, wer das ist. Wozu auch. Und welchen Track Record?

Als sie dann viel weiter unten darauf angesprochen wird, dass der von ihr gelesene Nietzsche auch nicht eben vor Lebensfreude strotzte, meint sie dazu selbstsicher:
«Aber er hat sich einen zynischen Blick auf die Welt antrainiert, in dem ich mich zuweilen wiedererkenne. Wenn ich seine Texte lese, höre ich mich oft zu mir selber sagen: mein Gott, dieser Mann bringt das, was ich immer schon dachte, perfekt auf den Punkt! Dasselbe Lektüreerlebnis habe ich zuweilen auch bei Schopenhauer. Diese Klarheit des Denkens, die beeindruckt mich.»
Verstehen Sie die Tragweite dieser Aussage? Eine Ex-Vize-Miss und Serienpraktikantin setzt sich selbst auf die Stufe von zwei ganz grossen deutschen Denkern und Philosophen. Das löst geradezu eine Welle der Sympathie aus, finden Sie nicht auch?

Und nun kommen wir zu ihrem familiären Hintergrund. Einer Unternehmerfamilie würde sie entstammen. Da denkt man doch gleich an ihre russischen Vorfahren, welche zu Zeiten der russischen Zaren erfolgreiche Geschäfte tätigten. Weit gefehlt!
«Meine Grossmutter väterlicherseits war eine eiserne Frau, stark, bestimmt, von grosser Willenskraft. Sie hat in Magnitogorsk im Südural zu Zeiten der Sowjetunion eine grosse Fabrik geleitet.»
Unternehmer in der Sowjetunion? Nö, sorry. Im Gegensatz zu Xenia haben wir den eisernen Vorhang hautnah miterlebt. Da gab es keine Unternehmer. Da gab es nur Bürokraten und Technokraten. Und ein gepeinigtes Volk, welches die realitätsfremden Wirtschaftspläne der dogmatischen Parteibonzen in die Tat umsetzen musste.

Aber damit nicht genug, sie setzt noch einen oben drauf:
«Ihr Sohn, also mein Vater, war ebenfalls Unternehmer in der Stahlbranche, zuerst in der Sowjetunion, später, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, in der Schweiz.»
Noch einmal zum Mitschreiben: Unternehmer gründen und führen privatwirtschaftliche Unternehmen. Die Sowjetunion kannte keine Privatwirtschaft, es wurde alles verstaatlicht, als die Bolschewisten an die Macht kamen.

Und dann kommen wir wieder zu unserem Lieblingsthema, ihre Karriere als Investmentbankerin. Dieses Mal erklärt sie uns, weshalb sie den Dienst bei JP Morgan quittiert hat:
«Dieses Dasein ist nicht für mich gemacht, und deshalb habe ich meinen Dienst quittiert. Ich arbeitete hart, und ein Grossteil dessen, was ich in der kurzen Zeit meiner Anstellung an Mehrwert generieren konnte, ging in die Kasse der Bank. Das widerspricht meinem Leistungsdenken. Wenn ich Mehrwert schaffe, dann will ich auch, dass dieser Mehrwert mir zukommt. Das Jahr bei JP Morgan hat mich dennoch weitergebracht.»
Sie war zwei, höchstens drei Monate bei JP Morgan, nicht ein Jahr. Das ist schlicht und einfach gelogen. Das widerspricht meinem Leistungsdenken…doch kommen wir zum Mehrwert – Mehrwert für ein globales Finanzinstitut in zwei Monaten? Mädel, Praktikanten kosten Firmen Geld, das ist eine Investition in die Zukunft, in der Hoffnung, dass Sie mal Mehrwert generieren werden, aber doch nicht in zwei Monaten…also bitte, strapaziere doch unsere Geduld nicht ungebührlich!

Wenden wir uns noch Hollywood zu:
«ich habe schon Filme gemacht, und ich kenne da mittlerweile einige interessante Leute. Aber ich bin keine geborene Schauspielerin und habe bisher auch nicht ein halbes Leben in diesen Beruf investiert. Meine schauspielerischen Möglichkeiten sind beschränkt.»
Dem stimmen wir unumwunden zu. Aber beschränkt bezieht sich doch nicht bloss auf die schauspielerischen Möglichkeiten? Mädchen, Mädchen, wo bleibt dein klares Denken à la Schopenhauer?

So, das kann nur noch mit dieser Aussage abgerundet werden:
«Ich bin nicht nur das Showgirl, sondern habe auch eine intellektuelle Seite.»
Wer die ganze Zeit von seiner intellektuellen Seite schwafelt, hat genau diese eben nicht. Oder kennen Sie eine(n) Intellektuelle(n), die/der dieses Attribut immer wieder hervorheben muss? Ausser natürlich Roger Schawinski, Frank A. Meyer oder Shawne Fielding. Eben.


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Sternstunde Pathologie

Unsere Lieblingsrubrik in unserem Lieblingssatiremagazin SI ist bekanntlich «auf einen Espresso» mit Ringiers grauer Eminenz Frank A. Meyer. Kürzlich hat der selbsternannte Don Quijote im Kampf gegen die weltweit vernetzten Windmühlen sich zu einem älteren, ihm noch halbwegs geläufigen elektronische Medium geäussert: das gute alte Fernsehen. Im Gegensatz zum Internet möchte er das Fernsehen zwar nicht gleich abschaffen, aber darüber herziehen gehört einfach zum guten Ton.

Auf die Frage, was er ins Programm stellen würde, wenn er könnte, antwortet FAM: «Kompetenz, Kompetenz, Kompetenz: politisch, wirtschaftlich, kulturell, im Sport und in der Unterhaltung. Intelligenz, Intelligenz, Intelligenz. überall, auch in den Shows, auch in den Serien!»

Und weiter belehrt er seinen Chef (oder ist das doch umgekehrt?): «Im Übrigen, lieber Marc Walder, sind wir bei den Printmedien ja ebenfalls längst verführt von der süssen Sucht nach dem Seichten». Der ist gut, aus dem Hause Ringier ist der wirklich gut. Soll wohl heissen, dass in der guten alten Zeit Ringiers Druckerzeugnisse zu den Ikonen qualitativ hochstehenden Journalistenschaffens gehörten…

Aber kommen wir zum Fernsehen zurück bzw. zu Roger de Wecks Anspruch auf mehr Relevanz. Wir hätten da eine Idee, die würde nicht nur dem SRG-General gefallen, die würde bestimmt auch Franky Boy begeistern und erst recht unsere Lichtgestalt der elektronischen Medien, den Erfinder von allem (ausser diesem Format hier):

Sternstunde Pathologie funktioniert folgendermassen: unsere Möchtegern-Intellektuellen Frank A. Meyer und Roger Schawinski sitzen sich im SF-Studio während Stunden gegenüber und das täglich.

Da jeder der grössere Hecht sein will, überbieten sie sich gegenseitig mit Eigenlob und damit, was sie alles wissen, was sie schon getan, erlebt, gesagt haben, wen sie getroffen haben, was sie erfunden haben, warum sie die besten sind. Das ist zelebrierte Selbstbeweihräucherung auf höchstem Niveau. Hat zwar weder mit Relevanz, noch mit Kompetenz oder Intelligenz was zu tun, aber den Protagonisten gefällt’s. Das Publikum zappt derweil auf den ausländischen Sendern rum. Aber Quote ist ja vom Teufel, wie uns der Herr Meyer belehrt.


Von

Giacobbo/Müller revisited

Kürzlich berichteten wir von der strategisch geschickten Neupositionierung unserer Lieblingszeitschrift Schweizer Illustrierte – weg von oberflächlichem People-Journalismus hin zu gut gemachter Satire. Und jetzt plötzlich fällt es uns wie Schuppen von den Augen: deshalb also wurde die Rubrik «Auf einen Espresso» mit seinen Protagonisten Frank A. Meyer und Marc Walder aus dem SonntagsBlick verbannt und bei der SI untergebracht.

Denn was der Herr Meyer sagt, ist in der Regel Satire vom Allerfeinsten. Insbesondere dann, wenn es sich ums Thema Internet dreht. Erst neulich soll er wieder über die Onlinepresse hergezogen sein und das Internet als “hypernervös machend” bezeichnet haben. Dabei ist das doch der Espresso, der nervös macht. Schon klar, dass «Auf einen Espresso» jetzt bei SI Online ist.


Sonntag, 10. Juli 2011, 07:00
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