Exit stage left
Einer unserer grössten «Laferi» ist letzte Woche sechzig geworden: Chris von Rohr. Das ist an sich belanglos, aber wir gratulieren trotzdem. Wir sind ja nicht so. Chris von Rohr ist Rocker, Produzent, Songschreiber, Schriftsteller, TV-Persönlichkeit und Lebensberater. Fehlt nur noch Ex-Vize-Mister und Schauspieler. Aber mit dieser Vita qualifiziert er sich trotzdem locker in der Liga von Shawne Fielding. Dafür gibt’s nochmals Glückwünsche, dieses Gütesiegel ist nicht jedem vergönnt.
Also, wenn ein solcher «Laferi» sechzig wird, reicht das selbstverständlich für ein Interview in der Weltwoche. Schliesslich darf sich dort auch der «Füessbollgott üsem Oberwollisch» immer wieder von seiner (inexistenten) besten Seite zeigen. Oder durfte. Könnte künftig etwas schwieriger werden, da der damalige Weltwoche Sportschreiberling Walter de Gregorio neu das Sprachrohr Gottes ist.
Doch wenden wir uns dem «Laferi»-Interview zu. Schon nur die Bebilderung ist eines Sechzigjährigen durchaus würdig – posieren mit einem Totenkopf, das ist so voll krasser Teenie-Porno, Mann!
In etwa gleich gehaltvoll sind die Antworten unseres Jubilars. Wir liefern hier gerne ein paar der Weltwoche abgegebene Bonmots. Für unsere Leser mit Sehschwäche und für André Reithebuch gibt’s die gleichen Bonmots in Bild und Ton, courtesy of TeleZüri.
Auf den kürzlichen Auftritt in Tokyo angesprochen, wollte die WW wissen, ob das Rockerleben mit sechzig sehr anstrengend sei: «Wenn du mit Swiss Businessclass fliegen kannst, nicht».
Prahlen mit sechzig, das hält jung!
Zu seinem neuen Buch, dessen Titel wir hier natürlich nicht veröffentlichen, weil uns Schleichwerbung so was von fremd ist, meint der Autor CvR in der Weltwoche: «Wofür lohnt es sich zu leben und zu sterben? Meine Antwort: Für die Liebe, die Kinder, einen Traum und die Musik».
Das Buch braucht man wohl kaum zu lesen. Seine Plattitüden gibt er ja auf allen Kanälen ununterbrochen preis.
Und dann spricht die TV-Persönlichkeit über seine innige Beziehung zu Christoph Blocher: «Wir treffen uns ein- bis zweimal im Jahr und schicken uns hie und da eine SMS» (Weltwoche, 27.10.2011, Nummer 43, Seite 67).
Also wir finden Christoph auch einen Extremen. Aber ob der weiss, wie mann simst? Einen Computer jedenfalls kann er bekanntlich nicht bedienen.
Und jedes grosse Interview endet natürlich mit philosophischen Gedanken zum Thema Tod: «Wer weiss, vielleicht werde ich dann von gehässigen Krankenschwestern, die heute noch nicht einmal geboren sind, herumgeschoben. Nein, dann nehme ich doch lieber den Exit stage left».
Also in medialer Hinsicht unterstützen wir Plan B zu hundert Prozent.
Ach ja, zum Altern als Rocker wurde er natürlich auch befragt. Wir erinnern uns: vor bald sieben Jahren meinte der damals 53-jährige CvR, in einem Interview mit der Weltwoche (13.1.2005, Nummer 2, Seite 66) auf die Frage, wie man als Rockstar in Würde alt wird:
«Indem man die Bühne rechtzeitig verlässt. Hardrock bietet kein Umfeld, in dem es sich mit Würde altern lässt. Hardrock hat mit Rebellion und Sex zu tun, und beides ist der Jugend vorbehalten.»
Sagte es und flog Businessclass nach Tokyo, um ein paar kreischende Teenies zu beglücken. Und wie kriegt man also die Kurve zum früher Gesagten? Ganz einfach: «Man kann als Metal-Rocker nicht würdevoll altern, das ist der Unterschied.» Ach so, das ist natürlich ein kleiner aber feiner Unterschied. Vor sieben Jahren war’s noch Hardrock, jetzt ist es Metal und zum siebzigsten wird es dann Trash sein.
Ach ja, noch was Interessantes haben wir erfahren: CvR betätigt sich jetzt auch als Lebensberater. «Dann kommen Musiker, die es noch nicht geschafft haben. Oder Frauen, die in Beziehungsproblemen stecken», lässt er uns wissen. Gegen Bezahlung, wohlverstanden. Mit anderen Worten: er nimmt Geld von armen Schluckern, die ihn gerne als Produzenten hätten bzw. von Groupies, die mit ihm in die Kiste springen wollen. Mike Shiva lässt grüssen. Wir hätten da aber ein Prachtsexemplar in einer Person für seine Lebensberatung: mit der Musik wurde es nie etwas und bis zu Beziehungsproblemen hat’s wohl auch nicht gereicht.













