Von Veline, Meteorine und Misslis
Im TV-Land Italien wollen jedes Jahr Tausende junger Frauen unbedingt eine «Velina» werden. «Veline» sind die Moneygirls Italiens, funktionslos und überflüssig. Eine «Velina» darf lächeln, Po, Bauch, Beine und Busen zeigen. Sprechen darf sie nicht. Diejenigen, die sprechen dürfen sind die «Meteorine».
Erst jüngst hat sich ein junger Fotograf wieder dem Veline-Kult unseres südlichen Nachbars angenommen. Er begleitete mit der Kamera die Miss Padania Wahl und zeigt mit seinen Bildern auf, wie Berlusconi sein Volk bei Laune hält:
Titten, Fussball und bezahlbare pasta fatta dalla mamma. Zumindest befriedigt er damit das männliche Publikum. Bei den Frauen braucht es noch einen Tick mehr, Komplimenten zum Beispiel: «Bellezza, du hast so schöne Titten, zeig sie doch am TV. Vielleicht entdeckt dich so ein Fussballstar. Wenn du auch noch mit deinem Popolino… oh dio mio… dein Popo ist so bezaubernd… wenn du auch noch mit deinem Knackarsch wackelst, verschaffe ich dir einen Posten in Brüssel. Schliesslich soll die ganze Welt sehen, welch schöne Frauen wir in Italien halten.»
Ja, und wenn das Staatsoberhaupt statt an barbusigen TV Shows an Bildung spart, dann sind die Bellezze sofort hin- und weg von caro zio Silvios Vorschlag.
In der Schweiz ist das zum Glück ganz anders. Abgesehen davon, dass die Schweiz nicht von einem sexistischen Medienmogul regiert wird, wurden auch die Moneygirls vorläufig auf die Strasse gestellt. Die meisten Kandidatinnen müssen sich nun wohl oder übel als Seite-1-Girls bei Blick verdingen.
In der Schweiz gibt es keine «Veline» (die Vergangenheit von Doris Leuthard interessiert uns hier mal nicht), denn in der Schweiz haben die Frauen seit 1971 etwas zu sagen und deshalb haben wir Missen! Und diese Missen sind in keiner Weise mit Veline zu vergleiche. Denn Missen haben etwas im Köpfchen. Missen wollen später irgend etwas mit Business machen oder mit Geld oder Kulturen. Missen möchten sich für eine gute Sache einsetzen, sie retten zum Beispiel Delfine. Unsere Missen studieren. Die Missen haben in der Schweiz eine wichtige Aufgabe:
In der Schweiz dürfen die Missen auch etwas im TV sagen, wenn auch die Aussagen zuweilen etwas daneben gehen..
…aber Hauptsache sie durften am Staatsfernsehen etwas sagen. Irgend etwas. Etwas Nettes. Aber darauf kommt es ja eh nicht an. Hauptsache das Mädchen ist hübsch, modelt und kann später die während ihres Miss-Jahres aufgebauten Kontakte nutzen, um mal einen Fussballer zu heiraten.










