Vergangenen Samstag ging die zweite Staffel des Relevanz-Formats «Die grössten Schweizer Talente» zu Ende. Zum Glück. Obwohl, angetan haben wir uns diese Kiste eh nicht. Freiwillig Epilady und dazu noch die grässliche Garderobe von Anna Maier? Nein, nicht wirklich, also wirklich nicht.
Wer und weshalb jemand bei so einem Anlass gewinnt, ist eigentlich zweitrangig. Primär geht es doch darum, unseren Cervelat-Postillen neue Nahrung zu liefern. Es spielt überhaupt keine Rolle, wie unbedeutend jemand ist, aber einmal Casting Show = immer in der Rubrik People.
Aber manchmal gibt es so etwas wie ein Happy End. Am Samstag hat nämlich die sympathische Eliane Müller gewonnen, und die scheint diesen Mechanismus gleich zu untergraben. Der Schweizer Illustrierten gegenüber hat sie nämlich erklärt, dass sie von Castingshows nichts halte, dass ihre Schwester sie ohne ihr Wissen angemeldet habe und dass sie erst gar nicht hingehen wollte.
Und im Blick wird es noch besser. Ihr Studium sei ihr viel wichtiger und sie träume von einem Marketing Job im Pharmabereich. Zum DGST Erfolg meint sie lediglich: «Klar, es haben sich Türen aufgetan, und es reizt mich, eine CD aufzunehmen und einige Konzerte zu geben. Ich will mir diese Optionen sicher offen halten. Aber alles auf die Karte Musik setzen und Profi-Karriere machen will ich nicht.»
Tja, nix mit neuen unersättlichen Resourcen für die Klatschspalten. Eliane, wir lieben dich! Man sollte dich zur Schutzherrin aller Castingshows machen. Vielleicht würde das die ganzen Profilneurotiker abschrecken. Und nimm dich bloss in acht! Deine saloppe Aussage könnte einen Schlager singenden Figaro aus dem Baselbiet derart in Rage versetzen, dass er womöglich Mamas Mercedes in euren Eingang steuern könnte. Der möchte nämlich um jeden Preis eine Profi-Karriere machen, obwohl er nie was gewonnen hat.
Sie schafft es immer und immer wieder, sich selbst zu übertreffen. Chapeau! Leute wie S.F. hat sie in Sachen Selbstinszenierung längst abgehängt. Doch nun löst X.T. aus L. auch Kerosin Crook beim Titel um die dreisteste Pinocchio-Nase ab.
Denn, unseren Medien sei Dank, fast hätte sie es geschafft, sich als erfolgreichste Bankerin Londons zu inszenieren oder als Fernando Alonsos Freundin. Und nun betört sie die hiesige Boulevardgilde, sie als Reto Lipp Italiens darzustellen.
Dabei ist alles ganz anders: Xenia taucht zwar tatsächlich am Anfang und am Schluss einer, sagen wir’s so, «Informationssendung» auf, jedoch nicht als Moderatorin, sondern als Präsentatorin. Dieser Job wurde in der Schweiz schon vor über 20 Jahren abgeschafft. In Italien, im Land der Veline, ist diese Form der Anmoderation jedoch noch Gang und Gäbe. Natürlich in abgewandelter Form, das heisst mit schmollmundigen Mädchen, die viel Bein zeigen. Besonders wenn es sich beim Sender um ein Mitglied des Berlusconi Imperiums handelt. Wahrscheinlich werden die Mädchen nachher für ihre tolle Leistung jeweils an Berlusconis Privatpartys eingeladen. Bei Xenia würde die Schlagzeile dazu dann so lauten: «Ex-Vize-Miss diskutiert Finanzkrise mit Ex-Regierungschef».
Xenias Anmoderation wird ausserdem am Samstagmorgen ausgestrahlt, also dann, wenn alle Italos noch ihren Rausch ausschlafen. So viel zur Wichtigkeit der Sendung. Zur Wichtigkeit ihrer Person als Anmoderatorin wäre zu sagen, dass Xenia, die Schweizerin mit russischen Wurzeln, von Italien als «ihrem Land» («il nostro paese») spricht. Dass es sich bei der Anmoderatorin um «die Marke Xenia» handelt, scheint also niemanden zu interessieren. Hauptsache ist, die Velina im hochgeschnittenen Lisbeth-Egli-Verschnitt zeigt, dass Italiens Mädchen die an seniler Bettflucht leidenden italienischen Rentner noch zum Sabbern bringen können.
Es hätte so schön sein können: Ein Turnverein in Akrobatikkostümen hätte beinahe den Final bei «Die grössten Schweizer Talente» erreicht. Das Publikum hatte sie bereits in die Top 3 «gevoutet».
Doch einer machte der Truppe einen Strich durch die Rechnung: Ausgerechnet Saubermann DJ Bobo wählte im Stichentscheid nicht den niedlichen Turnverein, sondern eine Gruppe aus professionellen Tänzern. Seinen professionellen Tänzern! Tänzer mit denen Bobo selber bereits mehrere Male auf der Bühne stand und die er jeweils anfragt, ob sie wieder mit ihm tanzen möchten.
Also wenn das nicht zum Himmel stinkt. Insider-Handel, Vetterliwirtschaft, Vitamin B, dreckige Machenschaften….
Bild: Nancy Heusel
Die offenbar so zahlreichen und treuen DGST-Zuschauer sollten empört sein. Eine Demo vor Leutschenbach sollten sie organisieren, wo sie öffentlich «DJ Bobo»-Kassettli verbrennen! Denn hat ihnen nicht grad der schlechteste Rapper am globalen Dancehimmel ihren Traum zerstört: Nämlich, dass ein kleiner Turnverein, der doch eigentlich ihr Turnverein sein könnte, zum «grössten Schweizer Talent» gewählt wird. Wehren sollten sich die Zuschauer, Zurich Riots wollen wir sehen. Doch vermutlich sind all diese DGST-Anhänger grad zu sehr mit der Fasnacht beschäftigt, als dass sich da was regen könnte.
Alle anderen, welche die Sendung nicht verfolgen, aber vielleicht bei Blick oder jetzt bei uns über diesen Skandal lesen, sind froh, dass nach der Buschauffeurin nicht noch ein Turnverein zum halboffiziell grössten Schweizer Talent ausgerufen wurde. Sie erkennen in DJ Bobo trotz seines Engagements bei DGST ein Fünkchen Professionalität.
Weil eine für eine Weile (endlich) still stillt, brauchte G&G-Ersatzmoderatoren. Gewählt wurde nicht die von BJ Hyatt vorgeschlagene kostengünstige Variante von Schawinski und Buchli, sondern man entschied sich für altbekannte Protagonisten der Sendung. Heidi Maria Glössner, Marco Büchel, Fabien Rohrer, Beat Schlatter, Denise Biellmann und Sarina Arnold. Den Anfang als Ersatz-G&G-Moderatorin machte diese Woche eine Fata Morgana.
Die auf Hochdeutsch geschriebene Moderation irgendwie auf Schweizerdeutsch ausgesprochen. Immer schön langsam, soo dass es auuch aallee veerstehhen und erst noch so lieb, dass sie die lieblichen hohen Tönen zuweilen selber nicht trifft. Eine auf Schweizerdeutsch vorgetragene Kinder-für-Kinder-Tagesschau klingt nicht anders.
Was lernen wir daraus? Es braucht keine besonderen Skills, um durch eine G&G-Sendung zu führen. Alle willigen Krethi & Plethi sind dafür geeignet, wie Denise Biellmann ganz stolz vorzeigt. Hey…soo häärzig!
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