Berufswunsch: Ex-Mister
Dass dem Schweizer Missen- und Mister-Mysterium mit logischen Argumenten kaum auf den Grund zu kommen ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Niemand kann sich erklären, warum den einmal Gewählten so viel Öffentlichkeit und bedrucktes Papier gewidmet wird. Es ist einfach so. Und es wäre ja gar nicht so schlimm, würde es nur je eine aktuelle Miss und einen amtierenden Mister geben. Da wären nach ein paar Wochen alle Skandale aufgedeckt, alle Bildungslügen entlarvt und die Religion der Freundin eindeutig geklärt. Selbst die Schweizer Illustrierte schriebe wieder gelangweilt über Roger Federer. Aber nein, sie wollen ja nicht abtreten nach ihrem Ruhmesjahr. Sie krallen sich verzweifelt fest, an der «Glamour Welt». Und es scheint keine Besserung in Sicht zu sein. Denn auch der amtierende Mister Schweiz Luca Ruch liebäugelt anscheinend mit einer Karriere als Ex-Mister, wie er dem vielbeachteten Leitmedium «Thurgauer Nachrichten» berichtete.
Die aktuellen Schönheitskönige/innen sind eigentlich nichts anderes als angehende Ex-Mister und Ex-Missen. Die vier, fünf Jahre, die Luca als professioneller Ex anstrebt, haben ja auch einiges zu bieten. Wer findet es nicht toll über rote Teppiche zu gleiten und mit den Reichen und Wichtigen in den VIP-Bereichen dieser Welt eine ruhige Kugel zu schieben (beispielsweise an der Qualifikation der Schweizer Murmelmeisterschaft im Coopark Affoltern am Albis)? Wer lässt sich nicht gerne einen Whirlpool ins Wohnzimmer stellen, um ihn mit der ganzen Familie zu geniessen? Und wer hat noch nie davon geträumt, mit seiner Freundin zusammen Taschen zu präsentieren oder seine eigene Pizza zu gestalten?
Und so entsteht ein stetig wachsender Pool an meist unterdurchschnittlich begabten Frauen und Männern, die diese Erlebnisse nicht missen wollen. Sie grinsen weiter in die Linsen, beginnen zu moderieren, fangen an zu singen oder tun so, als würden sie Platten drehen. Ein Klub, der so unexklusiv ist, dass jeder noch so unwichtige Kandidat und jede noch so bedeutungslose Kandidatin eine vergoldete Eintrittskarte zugesteckt bekommt. Ein Business, das so «toll» ist, dass es anscheinend immer noch, und das ist das Bedauerliche, als erstrebenswerter Karriereweg gilt.
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